Update: Eskalation im arabischen Golf
Lagebeurteilung
In unserem Flash vom 2. März hatten wir auf die Gefahr einer Ausweitung der kriegerischen Auseinandersetzung auf die benachbarten Staaten hingewiesen, auf die asymmetrische Strategie des Iran, die darauf abzielt, die Kosten für die Gegenseite wirtschaftlich, militärisch und politisch zu maximieren, und darauf, dass der unmittelbare Anreiz zur schnellen Deeskalation gering ist, weil jede Seite zumindest kurzfristige Vorteile aus der Eskalation zieht. Alle drei Einschätzungen haben sich bisher leider bestätigt. Der Konflikt ist in die dritte Woche eingetreten, ohne dass sich eine Entspannung abzeichnet.
Die Strasse von Hormus ist de facto geschlossen. Die Islamische Revolutionsgarde (IRGC) bestätigte am 2. März offiziell die Schliessung und drohte jedem Schiff, das die Durchfahrt versucht. Der Schiffsverkehr, der in den Wochen vor dem Konflikt bei durchschnittlich über 153 Passagen pro Tag lag, ist auf einen Bruchteil eingebrochen. Am 9. März wurde nur noch eine einzige Passage registriert, ein iranisches Schiff auf dem Weg nach aussen.
Entscheidend ist: Es handelt sich nicht um eine klassische Seeblockade mit aufgefahrener Flotte, sondern um eine psychologisch-ökonomische Sperre. Die Kriegsrisikoversicherung (P&I) wurde per 5. März aufgehoben, was die Passage für westliche Reeder wirtschaftlich unmöglich macht. Maersk, CMA CGM und Hapag-Lloyd haben ihre Transits eingestellt.
Die Blockade ist dabei selektiv. Am 5. März erklärte die IRGC, die Strasse bleibe nur für Schiffe aus den USA, Israel und deren westlichen Verbündeten geschlossen. Iran-nahe Tanker und Schiffe mit chinesischen Verbindungen passieren weiterhin, wenn auch in geringer Zahl. Am 13. März genehmigte der Iran die Durchfahrt eines türkischen Schiffes und zweier indischer Gastanker. Diese selektive Öffnung verschafft dem Iran Verhandlungsmacht: Er entscheidet, wer durchfährt und wer nicht.
Gleichzeitig weitet sich der Konfliktraum aus. Die Angriffe beschränken sich nicht mehr auf die unmittelbare Hormus-Region. Omanische Hafenanlagen in Duqm und Salalah wurden von Drohnen getroffen, obwohl sie ausserhalb der Meerenge liegen und als Umgehungsroute galten. Flughäfen in Kuwait und Bahrain wurden angegriffen. Ein chinesisches Containerschiff wurde vor Jebel Ali nahe Dubai attackiert. Am 11. März erfolgten koordinierte Angriffe auf Handelsschiffe in verschiedenen Operationsumgebungen: in Transitkorridoren, Ankergebieten und bei Schiff-zu-Schiff-Transfers. Der Flugverkehr in die Vereinigten Arabischen Emirate ist nahezu zum Erliegen gekommen. Dubai, einer der grössten Flughäfen der Welt, verzeichnet nur noch einen Bruchteil des normalen Volumens.
Das Pentagon prüft Optionen zur Wiederöffnung der Handelsrouten. General Dan Caine, Vorsitzender der Joint Chiefs of Staff, erklärte am 10. März, man arbeite an militärischen Voraussetzungen für die Wiederaufnahme des kommerziellen Schiffsverkehrs. Die historische Parallele liegt auf der Hand: In den «Tanker Wars» der 1980er Jahre organisierten die USA Marineeskorten für kuwaitische Tanker, die unter amerikanischer Flagge umregistriert wurden. Eine solche Operation dauert Wochen in der Vorbereitung und bindet erhebliche Ressourcen, die dann an anderer Stelle fehlen.