Iran-USA: 2-wöchige Feuerpause – fragile Ruhe

Kurz vor Ablauf von Trumps Ultimatum einigten sich die USA und der Iran auf eine zweiwöchige Waffenruhe. Im Gegenzug zur Feuerpause öffnet Teheran die Strasse von Hormus. Pakistan agierte als Vermittler zwischen den beiden Kriegsparteien. Israel ist nicht Teil des Waffenstillstandes und bedingt sich Operationen im Libanon gegen die Hisbollah aus.

Angesichts der weit auseinanderliegenden Standpunkte – insbesondere der unmissverständlichen Grundhaltung Netanjahus zum Kriegsziel – ist ein Kriegsende unwahrscheinlich. Die iranischen Forderungen nach Kriegsreparationszahlungen, vollständiger Aufhebung der Sanktionen, Abzug der US-Truppen aus der Region sind für die Bündnispartner USA und Israel politisch inakzeptabel.

Die Öffnung der Meerenge bei Hormus entspannt zwar die kritische Situation an den globalen Rohstoffmärkten. Rohstoffpreise aller Sektoren geben teils deutlich nach. Die Ausnahme bilden die Edelmetalle, die dank implodierenden Energiepreisen, tieferer Inflationsgefahr und sinkenden Zinskurven mit einer Kurserholung reagieren. Auch die Aktienmärkte, Rentenpapiere und sogar Krypto notieren aufgrund der aufgehellten Stimmung euphorisch. Von der Öffnung der Meerenge und der Mobilisierung der Güterströme profitieren aber hauptsächlich Südostasien und Europa – also nicht zwingend Ziele, die Trump auf seiner Agenda führt.

Wir beurteilen die Marktreaktion grundsätzlich als nachvollziehbar, aber gleichzeitig für übertrieben. Dies aufgrund der stark divergierenden Forderungskatalogen der beiden Parteien. Eine für beide Seiten akzeptable Schnittmenge stufen wir als derart gering ein, dass wir die Wahrscheinlichkeit eines nachhaltigen Kompromisses als sehr gering einstufen. Die Feuerpause dürfte auf beiden Seiten eher zur Retablierung der Ressourcen und Kräfte genutzt werden, was schliesslich in einer neuerlichen Eskalation münden dürfte. Im Laufe der Verhandlungen werden sich diese Diskrepanzen zunehmend herauskristallisieren und die anfängliche Euphorie wird der Realität weichen müssen. Wir stufen die Ruhe als sehr fragil ein, was durch die Verletzung der Feuerpause bereits bestätigt wird.

Wie haben die Märkte auf den Waffenstillstand reagiert und wie beurteilen wir die weitere Entwicklung?


Energierohstoffe
Die Notierungen auf Energierohstoffen haben über Nacht deutlich nachgegeben. Heute Morgen liegen die Kurse von Erdöl und -gas rund 15% tiefer. Der Nachschub war mehr als ein Monat unterbrochen, was sich durch die Freigabe der Meerenge nicht unmittelbar kompensieren lässt. Die Lieferwege bleiben auf absehbare Zeit beeinträchtigt und die Güterverfügbarkeit eingeschränkt. Wir erwarten eine Stabilisierung auf erhöhten Kursen von WTI und Brent bei rund USD 100 mit dem Risiko von Ausreissern nach oben. Angezapfte strategische Ressourcen müssen wieder ersetzt werden, was eine erhöhte Nachfrage nach sich zieht.

Konjunktur
Der Erdölschock ist vorerst abgewendet. Dennoch resultiert aus den gestiegenen Rohstoffpreisen ein Inflationsschub. Wir beurteilen die kurzfristig tieferen Renditen aber als Strohfeuer. Mittelfristig dürfte das Zinsniveau aufgrund des Preisdruckes höher ausfallen als es den hochverschuldeten Staaten wie den USA lieb wäre. Entsprechend sehen wir wenig Spielraum für geldpolitischen Lockerungen. Die Unsicherheiten und das gestiegene Preisniveau drücken die Konsumlaune und die Wirtschaft. Begrenzter geldpolitischer Handlungsspielraum lässt kaum konjunkturelle Stützungsmöglichkeiten zu. Aufgrund eines geringen Wachstums und etwas erhöhter Inflation stufen wir unverändert eine Stagflation als wahrscheinlichstes Szenario ein.

Anleihen
Trotz der aktuell leicht rückläufigen Renditen rechnen wir mit der Fortsetzung von höheren Zinsniveaus für die absehbare Zeit («higher for longer»). In einigen Ländern haben die Renditen auf 10-jährige Staatsanleihen ein 15-Jahreshoch erreicht. Wir befanden uns damals im Nachgang zur grossen Finanzkrise von 2008/9 und der Währungs- und Schuldenproblematik in der Eurozone.

Edelmetalle
Edelmetallkurse reagieren heute erfreulich auf die veränderte Datenlage und die abgewendete Eskalation. Die Korrelationen wirken unverändert – nun in umgekehrter Richtung. Tiefere Zinsen, ein schwacher US-Dollar und günstigere Energiepreise wirken derzeit stützend. Da wir aber keine grundsätzliche Trendwende in den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erwarten, sollten sich die Kurse ausnivellieren. Gold gilt zwar als Inflationsschutz, hat derzeit aber diesen Nimbus verloren, dürfte diesen aber wieder erlangen, was sich dann wieder Kurs stützend auswirken wird. Wir bleiben für Edelmetalle weiter positiv gestimmt.

Aktienindizes
Die aufgeschobene Eskalation, die kurzfristig gesunkenen Unsicherheiten und tieferen Renditen wirken für die Aktienmärkte als Brandbeschleuniger – aber wohl mit geringer Wirkungsdauer. Die anstehenden Geschäftsergebnisse werden zu Konjunktur und Konsumverhalten weiteren Aufschluss liefern und die Kurse bewegen. Die gedrückte Stimmung stufen wir als bremsend ein. Wir halten an unserer leichten Zurückhaltung gegenüber Aktien fest. Wir bevorzugen defensive Anlagen mit Dividendenfokus und sind breit diversifiziert.

Konklusion
Die seit Kriegsbeginn bestehenden Trends sind aktuell umgekehrt und könnten sich vorerst fortsetzen. Die heutige Marktbewegung stufen wir allerdings als Überreaktion ein. Ernüchternde Verhandlungen werden die Realität an die Märkte und in die Bewertungen zurückbringen. Die Befindlichkeiten sind allseits angekratzt und die Konsensfindung dürfte sich schwierig gestalten. Übertriebener Optimismus ist daher aus unserer Sicht verfehlt und die Zurückhaltung dürfte sich bald auch an den Märkten abzeichnen.

Diese Publikation entstand in Zusammenarbeit mit Aquila.

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