Iran-Krieg treibt Energiepreise und Inflationsrisiken
Die Angriffe von Israel auf die (Energie-)Infrastruktur Irans halten an. Der Iran reagiert weiter mit Raketen auf israelische Städte. Die Nachfolge des getöteten Religionsführers Ayatollah Ali Khamenei tritt sein Sohn Mojtaba Chamenei an, der zum neuen Ziel der israelisch-amerikanischen Offensive wird.
Mittlerweile ist die Meerenge von Hormus faktisch geschlossen. Die angekündigten amerikanischen Eskortierungen für Handelsschiffe greifen noch nicht. Der Irak und Kuwait reduzieren ihre Erdöl- und Erdgasproduktion, weil der Seeweg durch die Meerstrasse blockiert ist. Die Notierungen für Rohöl sind sprichwörtlich explodiert und von rund 67 USD vor Kriegsbeginn auf beinahe 120 USD pro Fass angestiegen.
Dieser massive Anstieg der Rohstoffpreise droht sich bald inflationär auszuwirken und im Zusammenhang mit den schwachen US-Arbeitsmarktzahlen vom letzten Freitag und dem etwas schwächeren Beige Book-Bericht das Fed tritt das Stagflationsszenario wieder in den Fokus. Zinssenkungen der Fed als Intervention stehen daher vorerst kaum zur Diskussion. Mehrere Fed-Mitglieder haben dies am Freitag bekräftigt und sehen keinen Grund für kurzfristige Zinssenkungen.

Bloomberg Rohstoffindex und US-Inflationsrate in %, Quelle: Bloomberg Finance L.P.
Renditen auf 10-jährige Staatsanleihen sind seit Kriegsausbruch und der Inflationsrisiken deutlich gestiegen. Aktuell stehen die Sätze in der Schweiz bei 0.45%, in Deutschland bei 2.90% und in den USA bei 4.19%. In Frankreich haben die Renditen auf über 3.60% angezogen und erreichen ein 15-Jahreshoch. Wir erwarten, dass sich dieser Anstieg aufgrund der zu erwartenden Teuerung fortsetzen wird.

Renditen 10-jähriger Staatsanleihen in %, Quelle: Bloomberg Finance L.P.
Die Aktienindizes haben aufgrund der Geschehnisse übers Wochenende mit deutlichen Kursrücksetzern reagiert – dies nach bereits einer der schlechtesten Wochenperformance seit längerer Zeit, dies v.a. in den europäischen Märkten. Der SMI hat auf Wochenfrist mit -7.6% korrigiert und gab auch heute in der Eröffnung um gut 3% nach. Die leicht nachgebenden Energierohstoffe heute Morgen geben für die Aktienmärkte aber ein leichtes Entspannungssignal. Die amerikanischen Index-Futures reagieren heute mit Abschlägen, die einige technische Verkaufssignale auslösen könnten und die Kurse auf ein 6-Monatstief drücken. Kritisch sind im Tagesverlauf die gleitenden 200-Tagesdurchschnitte zu verfolgen.
Von den steigenden Rohstoffpreisen profitieren üblicherweise der US-Dollar und der Schweizer Franken als «Save Haven», sowie die rohstoffnahen Währungen CAD und AUD. Kurzfristig hat der Euro-Franken-Kurs die Marke von 0.90 heute Morgen unterschritten. Angesichts der Entspannungstendenzen übersteigt der Kurs bereits wieder das wichtige Unterstützungsniveau.
Wir verfolgen das aktuelle Marktgeschehen eng und kritisch, sind aber entspannt aufgrund der breiten Diversifikation, insbesondere in Edelmetallen und alternativen Anlagen, welche in diesem Umfeld stabilisierend wirken.
Diese Publikation entstand in Zusammenarbeit mit Aquila.